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PAGE: Kommt das Lesen bei der digitalen Generation aus der Mode?
Carl von Siemens: Das würde ich bestreiten. Zwar wird das Medium Print inzwischen weniger in Anspruch genommen.
Doch gelesen wird genauso viel - allerdings auch im Internet oder mobil.
PAGE: Wie sieht Ihre Printlektüre derzeit aus?
Carl von Siemens: Im Augenblick lese ich "Drop City" von T.C. Boyle. Es geht um eine Hippiekommune, die von ihrem Bauernhof vertrieben wird und
nach Alaska übersiedelt. Im benachtbarten Blockhaus leben jedoch Zivilisationsflüchtlinge, die sich dort vor der Hippiebewegung verkrochen haben ...
Parallel dazu lese ich "Der goldene Zweig" von Sir James Frazer, einem der Begründer der modernen Anthropologie. Das Buch steckt voller wundersamer Geschichten
über Hexerei, Aberglaube und heidnische Bräuche, und alles beginnt mit einem Diana-Tempel in Norditalien ...
PAGE: Motive der italienischen Kunstgeschichte bestimmen auch die Bildwelt auf www.generationdigitale.net.
Carl von Siemens: Ja, die Verbindung der Kunstgeschichte mit heutger Computertechnologie veranschaulicht unsere Denk- und Arbeitsweise. Zum einen,weil sie
für die Verbindung von Funktion und Emotion stehen sowie für die Schnitstelle zwischen Mensch und Maschine. Darüber hinaus aber auch, weil
ich nicht an die Verdrängung unserer Kultur durch die neuen Medien glaube. Im Gegenteil, die digitalen Technologien machen die Kultur der alten Welt verfügbar und
ermöglichen auf diese Weise einen neuen Umgang mit ihr.
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